Zertifikatskurse Moosseedorf


Zwischen Oktober 2014 und März 2017 lebten bis zu 50 Asylsuchende in der Zivilschutzanlage an der Schulhausstrasse 1 in Moosseedorf. In dieser als Phase I bezeichneten Zeit fehlt den Asylsuchenden eine regelmässige Tagesstruktur; ebensowenig haben sie Zugang zu Deutschkursen mit anerkanntem Abschluss.
Anfang 2016 werden Monica und Roland Glauser-Maurer bei der Gemeinde vorstellig mit dem Vorschlag, die zugewiesenen Asylsuchenden unverzüglich mit dem Wissen um die in unserer Arbeitswelt benötigten Kompetenzen vertraut zu machen. Dies auch bezüglich der Tatsache, dass über achzig Prozent der Asylsuchenden als auch der anerkannten Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen Sozialhilfebezüger sind, und zwar in der Mehrzahl seit vielen Jahren.
Der Gemeinderat Moosseedorf gibt grünes Licht und spricht den notwendigen Kredit für eine Versuchsphase Freiwilligenarbeit im Asylwesen. Im Zentrum dieser Periode steht das Pilotprojekt Sprachzertifikat A1 in 150 Tagen.
Die Resultate zeigen, dass es möglich ist, mit freiwilligen Helferinnen und Helfern den Asylsuchenden nicht nur die Deutsche Sprache näher zu bringen, sondern die Asylsuchenden auch in relativ kurzer Zeit zu einem anerkannten Zertifikatsabschluss zu führen: alle fünfzehn zur Prüfung angemelden Asylsuchenden sind erfolgreich (zehn Personen legten die A1-, fünf die A2-Prüfung ab).

Bild: Stefan Anderegg
Bild: Stefan Anderegg

Nach Abschluss der Pilotphase stellte sich die Frage: "Wie geht es nun weiter"? Antwort darauf haben vor allem die Kursteilnehmenden gegeben: beflügelt durch die Erfolge möchten sie das nächsthöhere Niveau in Angriff nehmen.
Bei Beginn des neuen Kurses am 9. Januar 2017 waren es 30 Personen, die sich für die Lehrgänge auf den Niveaus A2 und B1 interessierten. Eine Person besucht zwar die Spezialklasse für schulisch starke Flüchtlinge (Mittelschulniveau) in Biel, holt sich aber das Rüstzeug für ihre B1-Prüfung an den drei Kurshalbtagen in Moosseedorf .
Zur Zeit besuchen 16 Personen die Zertifikatskurse (2 auf B2-, 9 auf B1- und 5 auf A2-Niveau). Einen Überblick zum laufenden Lehrgang vermittelt der Artikel in der Berner Zeitung vom 25. Februar 2017.

 

Obschon die Pilotphase gezeigt hat, dass das Konzept mit freiwilligen Helferinnen und Helfern funktioniert, will das Amt für Migration und Personenstand (MIP) die Prüfungsgebühren sowie die Transportkosten für auswärtige Kursteilnehmende in der Höhe von maximal CHF 5'000 nicht übernehmen - eine Investition, die mit grösster Wahrscheinlichkeit zu Einsparungen führen würde, die die getätigten Auslagen um ein Vielfaches zu übersteigen vermögen.

 

Wer wird die Kosten schliesslich übernehmen? Wir wissen es zur Zeit noch nicht.